Legionellen sind Bakterien, die in jedem Süßwasser vorkommen. Zum Problem werden sie erst dort, wo Wasser lauwarm steht: im Warmwasserspeicher, in selten genutzten Leitungen, im Duschschlauch. Weil du sie weder siehst noch riechst noch schmeckst, merkst du von einem Befall nichts, bis jemand krank wird. Dieser Beitrag gibt dir den Überblick: was Legionellen sind, wann sie gefährlich werden, welche Temperaturen sie abtöten und wie du dein Trinkwasser testest.
Was Legionellen eigentlich sind
Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien der Gattung Legionella. Rund 60 Arten sind bekannt, für den Menschen ist vor allem Legionella pneumophila relevant. Sie leben natürlich in Seen, Flüssen und im Grundwasser, in sehr geringen Mengen. In dieser Konzentration sind sie harmlos, und sie gelangen auch über das Trinkwasser des Versorgers in jedes Haus.
Gefährlich wird es erst in der Hausinstallation. Dort finden Legionellen alles, was sie brauchen: Wärme, Ruhe und Biofilm, also den dünnen Belag aus Mikroorganismen an der Innenseite jeder Leitung. In diesem Biofilm vermehren sie sich innerhalb weniger Wochen um ein Vielfaches.
Warum ausgerechnet die Dusche
Legionellen sind kein Trinkproblem, sondern ein Atemproblem. Wer belastetes Wasser trinkt, wird in aller Regel nicht krank, weil die Magensäure die Bakterien abtötet. Gefährlich sind feine Wassertröpfchen, sogenannte Aerosole, die tief in die Lunge gelangen. Genau die entstehen beim Duschen, an Whirlpools, an Klimaanlagen, an Zierbrunnen und an Gartenschläuchen, die in der Sonne gelegen haben.
Deshalb steht die Dusche im Mittelpunkt jeder Legionellenprüfung. Und deshalb ist die Frage, wie warm dein Wasser gespeichert wird, wichtiger als die Frage, wie sauber es aus dem Wasserwerk kommt.
Wie gefährlich Legionellen wirklich sind
Eine Infektion kann zwei sehr unterschiedliche Verläufe nehmen. Das Pontiac-Fieber ist eine grippeähnliche Erkrankung, die nach wenigen Tagen von selbst abklingt. Die Legionärskrankheit dagegen ist eine schwere Lungenentzündung, die im Krankenhaus behandelt werden muss und tödlich verlaufen kann.
In Deutschland werden jedes Jahr weit über tausend Fälle der Legionärskrankheit gemeldet. Fachleute gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt, weil eine Lungenentzündung häufig behandelt wird, ohne dass jemand nach dem Erreger sucht. Besonders gefährdet sind Menschen über 50, Raucher, Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen und alle mit geschwächtem Immunsystem. Von Mensch zu Mensch übertragen werden Legionellen nicht.
Welche Beschwerden auftreten, wie lange es von der Ansteckung bis zu den ersten Anzeichen dauert und wann du damit zum Arzt solltest, haben wir ausführlich beschrieben: Legionellen: Symptome und Krankheitsbild.
Wie Legionellen in dein Wasser kommen
Drei Bedingungen müssen zusammenkommen, damit aus harmlosen Einzelkeimen ein Befall wird:
- Temperatur: Zwischen 25 und 45 Grad vermehren sich Legionellen am besten. Genau in diesem Bereich liegt lauwarmes Wasser in schlecht eingestellten Speichern oder in Warmwasserleitungen, die auf dem Weg zur Dusche abkühlen.
- Stagnation: Wasser, das tagelang steht, ist ideal. Das betrifft Gästebäder, Ferienwohnungen, Zweitwohnsitze und alte Leitungsstücke, die nach einem Umbau nie zurückgebaut wurden.
- Biofilm und Ablagerungen: Kalk, Rost und Schlamm im Speicher bieten Schutz und Nahrung.
Wie diese Faktoren im Detail zusammenspielen und was du bei einem bestätigten Befall Schritt für Schritt tun solltest, liest du hier: Wie Legionellen entstehen und was du bei Befall tust.
Die entscheidenden Temperaturen
Legionellen sind empfindlich gegen Hitze. Diese Werte solltest du kennen:
| Temperatur | Was passiert |
|---|---|
| unter 20 Grad | Praktisch keine Vermehrung. Kaltwasser sollte diese Marke nicht überschreiten. Legionellen können in Biofilmen wachsen. |
| 25 bis 45 Grad | Optimaler Vermehrungsbereich. Dieser Bereich muss im Warmwasser vermieden werden. |
| ab 50 Grad | Die Vermehrung kommt weitgehend zum Erliegen. |
| 55 Grad | Die Bakterien sterben langsam ab, es dauert Stunden. |
| 60 Grad | Abtötung innerhalb weniger Minuten. Das ist die übliche Zieltemperatur im Speicher. |
| 70 Grad und mehr | Abtötung innerhalb von Sekunden. Grundlage der thermischen Desinfektion. |
Praktisch heißt das: Der Warmwasserspeicher sollte auf mindestens 60 Grad eingestellt sein, und in der Zirkulation sollte das Wasser nirgendwo unter 55 Grad fallen. Kaltwasser sollte kalt bleiben, also möglichst unter 20 Grad. Wenn dein Warmwasser aus Energiespargründen auf 45 oder 50 Grad läuft, ist das genau der Bereich, in dem Legionellen sich wohlfühlen.
Ab wann gilt ein Befall als Befall
Die Trinkwasserverordnung nennt für Legionellen einen technischen Maßnahmenwert von 100 koloniebildenden Einheiten je 100 Milliliter Wasser, kurz 100 KBE/100 ml. Wird dieser Wert überschritten, ist das kein Grenzwert im klassischen Sinn, sondern ein Signal: Die Anlage muss untersucht und in Ordnung gebracht werden. Bei sehr hohen Werten kann das Gesundheitsamt ein Duschverbot aussprechen.
Für Vermieter und Eigentümergemeinschaften ist die Untersuchung nicht freiwillig, sondern eine wiederkehrende Pflicht mit festen Fristen. Welche Anlagen betroffen sind, wie oft geprüft werden muss, was das kostet und was davon auf die Betriebskosten umgelegt werden darf, steht hier: Legionellenprüfung: Pflichten, Ablauf und Kosten.
Wie du dein Trinkwasser auf Legionellen testest
Weil ein Befall keine Warnzeichen hat, gibt es nur einen Weg zur Gewissheit: eine Laboranalyse. Mit unserem Legionellen Wassertestkit nimmst du die Probe selbst und schickst sie in ein akkreditiertes Fachlabor. Du bekommst ein Probenahmeset mit Anleitung und ein bereits frankiertes Rücksendeetikett, der Befund liegt in der Regel rund elf Tage nach Eingang der Probe im Labor vor.
Sinnvoll ist ein solcher Test vor allem, wenn du
- in einem älteren Mehrfamilienhaus wohnst und nicht weißt, ob je geprüft wurde,
- ein Haus gekauft oder eine Wohnung neu bezogen hast,
- ein Ferienhaus, eine Zweitwohnung oder eine lange leerstehende Wohnung wieder in Betrieb nimmst,
- Säuglinge, ältere oder immungeschwächte Menschen im Haushalt hast,
- nach einer Sanierung wissen willst, ob die Maßnahme gewirkt hat.
Ein wichtiger Hinweis zur Einordnung: Der Selbsttest dient der Eigenkontrolle. Die gesetzlich vorgeschriebene Untersuchung einer Großanlage muss dagegen von einer dafür zugelassenen Untersuchungsstelle durchgeführt werden, weil dort auch die Probenahme selbst geregelt ist. Für Mieter, Eigenheimbesitzer und alle, die einfach Klarheit über ihr eigenes Wasser wollen, ist der Selbsttest der schnelle und günstige Weg.
Was du sofort tun kannst, auch ohne Test
- Stell den Warmwasserspeicher auf mindestens 60 Grad ein.
- Lass nach jedem Urlaub und nach längerem Leerstand alle Leitungen mehrere Minuten heiß laufen, am besten ohne dabei im Bad zu sein, damit du die Aerosole nicht einatmest.
- Nutze auch selten benötigte Entnahmestellen wie das Gästebad regelmäßig.
- Entkalke oder tausche Duschköpfe und Perlatoren, dort sitzt besonders viel Biofilm.
- Lass stillgelegte Leitungsstücke bei der nächsten Gelegenheit fachgerecht zurückbauen.
Diese Maßnahmen senken das Risiko deutlich. Sie ersetzen aber keine Analyse, denn ob in deiner Installation tatsächlich Legionellen sitzen, zeigt nur das Labor. Wenn du Klarheit willst, ist der Legionellen Test für dein Trinkwasser der einfachste Einstieg.
Häufige Fragen zu Legionellen im Trinkwasser
Kann ich Wasser mit Legionellen trinken?
In aller Regel ja. Legionellen gelangen über die Atemwege in den Körper, nicht über den Magen. Gefährlich sind feine Tröpfchen in der Luft, etwa beim Duschen. Wer sich beim Trinken verschluckt, kann Wasser in die Lunge bekommen, deshalb ist bei bekanntem Befall besonders bei pflegebedürftigen Menschen Vorsicht geboten.
Ab welcher Temperatur sterben Legionellen ab?
Ab etwa 55 Grad sterben sie langsam ab, bei 60 Grad innerhalb weniger Minuten, ab 70 Grad in Sekunden. Unter 20 Grad vermehren sie sich praktisch nicht.
Wie erkenne ich Legionellen im Wasser?
Gar nicht ohne Labor. Das Wasser sieht normal aus, riecht normal und schmeckt normal. Nur eine Analyse gibt Sicherheit.
Wie hoch ist der zulässige Wert?
Der technische Maßnahmenwert liegt bei 100 koloniebildenden Einheiten je 100 Milliliter. Wird er überschritten, muss die Anlage untersucht und in Ordnung gebracht werden.
Wie lange dauert eine Analyse?
Beim Selbsttest liegt der Befund in der Regel rund elf Tage nach Eingang der Probe im Labor vor, weil die Bakterien für den Nachweis angezüchtet werden müssen.
Fazit
Legionellen sind ein Problem der Hausinstallation, nicht des Wasserwerks. Sie vermehren sich dort, wo Wasser lauwarm steht, und sie zeigen sich nicht von selbst. Wer sein Warmwasser konstant auf mindestens 60 Grad hält, alle Entnahmestellen regelmäßig nutzt und nach längerem Leerstand gründlich spült, senkt das Risiko erheblich. Sicherheit bringt am Ende nur eine Laboranalyse, und die ist einfacher zu bekommen, als viele denken.
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Quellen und weiterführende Informationen
- Robert Koch-Institut: Legionellose
- Trinkwasserverordnung, unter anderem §31 und §51 zu Legionella spec.

