Eine Legionelleninfektion beginnt harmlos. Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, das kann jeder grippale Infekt sein. Genau deshalb wird die Legionärskrankheit oft spät erkannt. Dieser Beitrag beschreibt, welche Beschwerden auftreten, wie sich die beiden Krankheitsbilder unterscheiden, wann du ärztliche Hilfe brauchst und was die Erkrankung mit deiner Wasserleitung zu tun hat.
Zwei Krankheitsbilder, ein Erreger
Legionellen können zwei sehr unterschiedliche Erkrankungen auslösen. Beide gehen auf denselben Erreger zurück, verlaufen aber völlig verschieden.
Die Legionärskrankheit
Das ist die schwere Form: eine Lungenentzündung, die stationär behandelt werden muss. Zwischen der Ansteckung und den ersten Beschwerden liegen meist zwei bis zehn Tage. Typisch ist ein rascher Beginn mit
- hohem Fieber, oft über 40 Grad, häufig mit Schüttelfrost,
- trockenem Husten, der später schleimig werden kann,
- Kurzatmigkeit und Schmerzen beim Atmen,
- starken Kopf- und Muskelschmerzen,
- Durchfall, Übelkeit und Erbrechen bei einem Teil der Erkrankten,
- Verwirrtheit oder auffälliger Benommenheit, vor allem bei älteren Menschen.
Die Kombination aus Lungenentzündung, Durchfall und Verwirrtheit ist ein Muster, das aufhorchen lässt. Unbehandelt kann die Legionärskrankheit tödlich verlaufen, rechtzeitig behandelt heilt sie in den meisten Fällen folgenlos aus.
Das Pontiac-Fieber
Die milde Form macht sich schon nach fünf Stunden bis etwa drei Tagen bemerkbar. Sie fühlt sich an wie eine kräftige Grippe: Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Husten, Müdigkeit. Eine Lungenentzündung entsteht dabei nicht. Das Pontiac-Fieber klingt in der Regel nach wenigen Tagen von selbst wieder ab und wird deshalb fast nie als Legionelleninfektion erkannt.
Wer besonders gefährdet ist
Nicht jeder, der belastete Aerosole einatmet, wird krank. Das Risiko steigt deutlich bei
- Menschen über 50 Jahren,
- Rauchern und ehemaligen Rauchern,
- chronischen Lungenerkrankungen wie COPD,
- Diabetes, Nieren- oder Lebererkrankungen,
- geschwächtem Immunsystem, etwa nach einer Transplantation oder unter Chemotherapie.
Männer erkranken deutlich häufiger als Frauen. Kinder sind sehr selten betroffen.
Wann du zum Arzt solltest
Geh zeitnah in ärztliche Behandlung, wenn hohes Fieber, Husten und Atemnot zusammenkommen, besonders dann, wenn du zu einer der Risikogruppen gehörst. Wichtig ist ein Satz, den viele nicht sagen: Erwähne, dass eine Legionelleninfektion im Raum steht, etwa weil du kürzlich in einem Hotel oder einer Ferienwohnung warst, weil du gerade nach längerem Leerstand wieder duschst oder weil im Haus ein Legionellenbefund bekannt ist. Diese Information verändert die Diagnostik.
Nachgewiesen wird der Erreger meist über einen Antigentest im Urin, der schnell ein Ergebnis liefert, ergänzend über eine Kultur aus dem Hustenschleim. Behandelt wird mit speziellen Antibiotika. Die üblichen Mittel gegen eine gewöhnliche Lungenentzündung wirken hier nicht zuverlässig, was ein weiterer Grund ist, den Verdacht früh anzusprechen. Der Nachweis von Legionellen ist meldepflichtig, das Gesundheitsamt geht der möglichen Quelle nach.
Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Infektion wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.
Der Zusammenhang mit deinem Trinkwasser
Angesteckt hat man sich fast immer beim Einatmen feiner Wassertröpfchen, meistens unter der Dusche. Trinken ist dagegen unproblematisch, und von Mensch zu Mensch werden Legionellen nicht übertragen. Das heißt umgekehrt: Wenn jemand in deinem Haushalt an einer Legionelleninfektion erkrankt ist, liegt die Ursache mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Hausinstallation, und sie bleibt dort, bis sie beseitigt wird.
Warum sich die Bakterien in Warmwasserspeichern und selten genutzten Leitungen so gut vermehren, erklären wir im Überblicksbeitrag Legionellen im Trinkwasser. Die konkreten Ursachen und die Schritte bei einem Befall findest du unter Wie Legionellen entstehen und was du bei Befall tust.
Klarheit über das eigene Wasser
Legionellen verändern weder Geruch noch Geschmack noch Aussehen des Wassers. Ein Verdacht lässt sich deshalb nur im Labor klären. Mit dem Legionellen Wassertestkit nimmst du zu Hause eine Probe und schickst sie an ein akkreditiertes Fachlabor, den Befund erhältst du in der Regel rund elf Tage nach Probeneingang.
Besonders sinnvoll ist das, wenn im Haushalt jemand zu einer Risikogruppe gehört, wenn nach einer Erkrankung die Quelle gesucht wird oder wenn du nach einer Sanierung überprüfen willst, ob die Maßnahmen gewirkt haben. Lebst du zur Miete und besteht der Verdacht auf einen Befall im ganzen Haus, ist zusätzlich die Untersuchungspflicht des Vermieters relevant. Was dabei gilt, steht in unserem Beitrag zu Pflichten, Ablauf und Kosten der Legionellenprüfung.
Häufige Fragen zu Legionellen-Symptomen
Wie schnell treten Symptome auf?
Bei der Legionärskrankheit meist zwei bis zehn Tage nach der Ansteckung, beim Pontiac-Fieber schon nach einigen Stunden bis etwa drei Tagen.
Wie unterscheide ich das von einer Grippe?
Ohne Test gar nicht sicher. Auffällig sind hohes Fieber zusammen mit Husten und Atemnot, oft begleitet von Durchfall und Verwirrtheit. Diese Kombination gehört ärztlich abgeklärt.
Sind Legionellen ansteckend?
Von Mensch zu Mensch nicht. Die Ansteckung erfolgt fast immer über eingeatmete Wassertröpfchen aus einer gemeinsamen Quelle.
Wie wird die Infektion nachgewiesen?
Meist über einen Antigentest im Urin, ergänzend über eine Kultur aus dem Hustenschleim. Behandelt wird mit speziellen Antibiotika.
Kann eine Legionelleninfektion Spätfolgen haben?
Nach einer schweren Lungenentzündung bleiben bei manchen Betroffenen längere Zeit Erschöpfung und verminderte Belastbarkeit zurück. Der Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich.
Fazit
Die Beschwerden einer Legionelleninfektion sind unspezifisch, das macht sie tückisch. Wichtig ist, den möglichen Zusammenhang mit Dusche, Hotel oder lange ungenutzten Leitungen früh anzusprechen, denn er verändert Diagnostik und Behandlung. Und ebenso wichtig: Solange die Quelle im Haus nicht gefunden ist, bleibt sie bestehen.
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